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Beate Bruns ist Mitgründerin und geschäftsführende Gesellschafterin der time4you GmbH communication & learning mit Sitz in Karlsruhe. Als Beraterin unterstützt sie Organisationen bei der softwaregestützten Gestaltung von Informations-, Lern- und Kommunikationsprozessen. Sie ist Co-Autorin des Lernbots Kim sowie des Escape-Room-Adventure „Pit im Warenlager“ und Autorin mehrerer wissenschaftlicher Publikationen zum Thema E-Learning, Aus- und Weiterbildung, Personalentwicklung und Digitalisierung der Arbeitswelt.

Im Interview mit COPETRI berichtet Beate unter Anderem, welche Trends es bei Weiterbildungen im HR Bereich gibt, und welche Fähigkeiten und Kompetenzen Führungskräfte für die Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens benötigen.

Beate, du bist seit über 20 Jahren im Weiterbildungsbereich aktiv. Was waren aus deiner Sicht rückblickend die größten Weiterbildungsinnovationen?

Zunächst und zuerst alles, was mit der Digitalisierung der Weiterbildung zu tun hat: E-Learning, software-gestützte Prozesse, software-gestütztes Management, software-gestütztes Marketing Außerdem denke ich beim Stichwort „wichtige Innovationen“ an: systematische Qualifizierungs- und Zertifizierungsprogramme für Re- und Up-Skilling z.T. international einheitlich, neue Methoden für große Gruppen (z.B. World Café, Barcamp, …), Veränderung der Trainerrolle hin zum Lernbegleiter, Facilitator und Coach; Ausrichtung an betriebswirtschaftlichen und Skill-bezogenen Kennzahlen; und das ist sicher nicht alles!

Je dynamischer die Wirtschaft, desto höher die Anforderungen an Mitarbeiter:innen und Führungskräfte. Welche Trends siehst du bei Weiterbildungen im HR-Bereich?

Auf Grund der Pandemiesituation in formaler Hinsicht ganz klar der starke Trend zu digitalem Lernen und digitaler Personalentwicklung, allein und selbstgesteuert, mit Coach, in Gruppen. Und ich vermute, dass sich dieser Trend auch erhalten und fortsetzen wird. Einfach auf Grund der großen Vorteile, über die niemand mehr hinwegsehen kann (Geschwindigkeit, Raumunabhängigkeit, Zeitunabhängigkeit, Skalierbarkeit, …).
Inhaltlich: Upskilling der HR-Teams in Sachen IT und Digitalisierung, weitere Fokussierung auf die Geschäftsprozesse und das „Business“, denn „corporate learning“ hat dem Zweck der Organisation zu dienen und ist kein Selbstzweck. Was umso mehr vergessen wird, je größer die Organisation ist (und klar: Spielwiesen sind auch wichtig, um neue Impulse zu initiieren).

Und welche Fähigkeiten müssen Führungskräfte entwickeln, um ihr Unternehmen fit for future zu machen?

Ich schwanke bei der Frage nach der Relevanz von Führungskräften immer ein wenig zwischen „der Einfluss der Führungskraft wird total überschätzt“ und – um einen alten, etwas derben Spruch zu gebrauchen – „der Fisch fängt am Kopf an zu stinken“ (hat das eigentlich mal jemand überprüft??).
Was heißt „fit for future“? So etwas wie: das eigene Geschäft, die eigene Aufgabe gut bis sehr gut machen und zugleich weiterentwickeln, verändern können, auch radikal verändern im Sinne von austauschen/ersetzen/neu erfinden. Also: Selbst-Bewusstsein, Selbstmanagement, Lernfähigkeit, Durchsetzungsvermögen, andere begeistern und mitnehmen, Blick über den Tellerrand. So in die Richtung.

Welche methodische Kompetenz braucht es, um in Unternehmen einen digital Mindset zu etablieren?

Lernfähigkeit.

Welche Schritte müssen Unternehmen gehen, um E-Learning-Angebote zu integrieren?

Im konkreten Fall ist das sehr verschieden. Als Muster ist wohl hilfreich: Ziele und Nutzen und Use-Case(s) herausarbeiten, Mittel bereitstellen, Kompetenzen aufbauen, Use-Case(s) pragmatisch umsetzen und auswerten, weiterentwickeln.

Wie sieht der optimale Mix zwischen Präsenz- und E-Learning-Angeboten aus?

Den gibt’s nicht! Zwischen 0:100 bis 100:0 kann es alles sein.

Inwiefern hat sich die Nachfrage nach Weiterbildungen zum Thema Digitalisierung und Transformation durch COVID-19 verändert?

Sie ist enorm gestiegen! Und das ist gut so. Wir sehen ja, in wie vielen Bereichen, auch auf gesellschaftlicher Ebene, wir hier in Deutschland einen Nachholbedarf haben.

Hat sich E-Learning dank COVID-19 nun endgültig am Markt etabliert oder siehst du noch „Luft nach oben“?

Beides: E-Learning ist etabliert und hat in der Pandemiesituation neue Zielgruppen und Anwendungsfelder erreicht. Da ist aber auch noch vieles möglich und die Innovationen in konzeptioneller, methodischer und technischer Hinsicht gehen weiter.

BIOGRAFIE

Vanessa Kaempf, Futury

Beate Bruns, Jahrgang 1964, studierte Philosophie, Physik und Mathematik in München und Karlsruhe und schloss ihre Studien mit dem M.A. in Philosophie an der Hochschule für Philosophie S.J. in München ab. Stationen der beruflichen Laufbahn: Weiterbildung, HR, Personalentwicklung, Consulting, internationale Projekte, Management. 1999 gründete sie zusammen mit dem Diplom-Informatiker Sven Dörr die time4you GmbH, Software-Hersteller und Dienstleister für digitale Lernlösungen. Dort ist sie geschäftsführende Gesellschafterin und verantwortet operativ die Bereiche Marketing, HR und Learning Design. Beate Bruns berät und begleitet Organisationen dabei, digitale Instrumente für Weiterbildung, Wissensmanagement und People Development zu entwickeln. Sie ist Buchautorin, publiziert regelmäßig in Fachmagazinen und ist in Branchen-Verbänden aktiv an der Weiterentwicklung des Marktes beteiligt.

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