Innovationsmanagement ist ein Muss – auch in Krisenzeiten 

Innovationsmanagement und Innovationskultur sind Themen, mit denen sich viele Unternehmen in Krisenzeiten nicht so gern beschäftigen. Viele starren auf die aktuellen Zahlen: Umsätze, Kosten, Gewinne. In der Theorie ist allen klar, dass Innovationskraft einer Organisation die Zukunft sichert. Auch gibt es zahlreiche Beispiele von großen Playern, die nur auf Altbewährtes gesetzt und damit ihre Zukunftsfähigkeit geopfert haben. Wie es gelingt, auch in diesen Zeiten ein sinnvolles Innovationsmanagement zu betreiben und die Innovationskultur zu pflegen, weiß unser Experte Dennis Böcker. 

Dennis Böcker zu Innovationsmanagement

Innovationsmanagement und Innovationskultur in Krisenzeiten

Dennis, Unternehmen erachten profitables Wachstum momentan in unserer krisenhaften Zeit als wichtiger denn je – und stellen Innovationsmanagement hinten an. Ist das ein Widerspruch oder Notwendigkeit? 

Grundsätzlich sollte profitables Wachstum und Innovation keinen Widerspruch darstellen. Doch aufgrund der vielen aktuellen Krisen müssen wir als Gesellschaft besonders flexibel sein – und als Unternehmen sowieso. Die Herausforderung bei Innovation ist, dass sie sich oft nicht unmittelbar auf eine Kennzahl wie Umsatz auswirkt. Sie braucht Zeit, um ihren Wert zu entfalten. In Zeiten der Krise müssen Organisationen einen Spagat schaffen – auf der einen Seite sparsam und effizient im Kerngeschäft sein, aber auf der anderen Seite die Innovation nicht vernachlässigen. Denn die brauche ich für das Geschäft von morgen. Unternehmen benötigen ein strukturiertes Innovationsmanagement. Dazu gehört auch eine balancierte Innovationskultur, um Geld und Kapazitäten zielgerichtet und wertschöpfend in Innovationen investieren zu können.

Was können Organisationen tun, damit Profitabilität UND Innovation gelingen? 

Die Wirtschaftlichkeit vieler Unternehmen ist durch die aktuellen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gefährdet. Der Krieg in der Ukraine, die Energiekrise und die Inflation führen dazu, dass Organisationen ihr Geld effizienter ausgeben wollen. Insbesondere bei Investitionen in Innovationen ist das Ergebnis nicht unmittelbar als Finanzkennzahl messbar oder bedingt sogar zusätzliche finanzielle und kapazitive Anstrengungen. Daher gehört Innovation immer sehr schnell auf den Prüfstand und zu den hinterfragten Themen.

Die Sinnhaftigkeit von Innovationsinvestitionen kann das Leadership durch ein strukturiertes Innovationsmanagement ermitteln. Die Verantwortlichen müssen „beidhändig“ kurzfristige Ergebnisoptimierung und mittel- bis langfristige Investition in Innovation balancieren. Dies ist ein elementarer Bestandteil des Unternehmens und seiner Innovationskultur. Es gibt kein Entweder/Oder und es gibt auch kein Richtig oder Falsch. Sondern es benötigt beides. Damit Innovation gelingen kann, müssen die Leader mit viel Weitsicht eine Strategie und Vision verfolgen. Das muss im Einklang mit dem aktuellen wirtschaftlichen Erfolg passieren, der das Fortbestehen der Organisation sicherstellt. 

Innovationsmanagement

Hast du ein konkretes Beispiel für ein sinnvolles Innovationsmanagement? 

Das Unternehmen braucht eine Geschäftsstrategie, die vorgibt,  in welchen Produktfeldern, Services oder Geschäftsfeldern es aktiv sein will. Aus dieser Geschäftsstrategie wird eine Innovationsstrategie abgeleitet. Sie definiert, wie die Organisation in diesen Geschäftsfeldern neue Produkte und Geschäftsmodelle entwickelt – und auch, wie viel Geld und Ressourcen sie dafür ausgeben will. Auf der anderen Seite muss sicher sein, dass sie mit den Erlösen des laufenden Geschäfts und den Produkten, die es bereits am Markt gibt, das Zukunftsgeschäft finanzieren kann.

Wenn das Unternehmen in der Krise zum Sparen gezwungen ist, muss es bei seinen Innovationsaktivitäten eine klare Priorisierung vornehmen. Das heißt, nach definierten Kriterien das Innovationsportfolio gestalten. Dann kann das Leadership diese Liste von unten nach oben abarbeiten und weniger Priorisiertes streichen. Das ist nicht schön, aber ermöglicht trotzdem, dass die wichtigsten Innovationsthemen weiter vorangetrieben werden können.  

Wie können Firmen darüber hinaus ihre Risiken minimieren? 

Wir befinden uns in einer Zeit des immer schneller werdenden Wandels. Für Unternehmen bedeutet das, dass sie mit ihren aktuellen Produkten, Geschäftsmodellen, den Wegen, wie sie Produkte produzieren und an den Markt bringen, immer schneller reagieren müssen. Innovation ist genau die Antwort darauf. Die Zyklen müssen schneller werden. Nun sind wir wieder beim Thema Unternehmenskultur. Wie kann eine Organisation innovativ auf Veränderungen reagieren?

Hierbei können agile, rollenbasierte organisationale Strukturen helfen, in denen die Verantwortlichen in kleineren Einheiten und in flachen, breiten Strukturen Entscheidungen treffen. Dies ist aber nur effizient möglich, wenn das organisatorische Modell auch kulturell im Unternehmen sowohl bei Mitarbeitern wie auch Führungskräften akzeptiert ist und gelebt wird.

Darüber hinaus ist es wichtig, den Prozess mit Zahlen, Daten und Fakten sowie klaren Meilensteinen und Zielen zu gestalten. So können die Führungskräfte strukturiert und gesichert Entscheidungen treffen und Risiken minimieren. Je früher das Unternehmen im Innovationsprozess entscheiden kann, eine nicht erfolgversprechende Idee zu beenden, desto weniger Mittel und Ressourcen benötigt es.

Ideen für Innovationen zuweilen begraben zu können, ist Teil der Innovationskultur und der Fehlerkultur einer Organisation. Solche Entscheidungen basieren immer auf den verfügbaren Daten und Fakten. Sie sind kein Zeichen von Misserfolg, sondern eher ein Erfolg für effizienten Ressourceneinsatz.  

Dennis ist Leiter der weltweiten IoT-Innovationsentwicklung bei Bosch. Er ist auf Innovationsmanagement, Entwicklung von Geschäftsmodellen, Verbesserung von Unternehmensprozessen, Führung multikultureller Teams sowie Changemanagement spezialisiert. Dennis hat Betriebswirtschaftslehre an der Leibniz Akademie Hannover mit Diplom abgeschlossen. Er lebt mit seiner Familie in der Nähe von Berlin. 

Nachhaltige Innovation

Wie wichtig ist Innovation in Hinblick auf Nachhaltigkeit? Ist das DIE Chance für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen? 

Nachhaltigkeit ist eine der großen Herausforderungen. Für viele Aspekte der Nachhaltigkeit sind neue Lösungen erforderlich. Zum Beispiel sollten Unternehmen nicht nur CO₂ einsparen, weil das eine Vorgabe ist, sondern weil es darüber hinaus einen Wert für die Organisation erzeugt. Sie will nicht nur Vorgaben einhalten, sondern dabei idealerweise in ein wertstiftendes Produkt einbringen – etwa um daraus ein neues Geschäftsmodell zu generieren. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Unternehmen könnten Abwärme nutzen, um Produktionshallen zu heizen. Die Herausforderungen der Nachhaltigkeit sind so vielfältig und immer wieder neu, dass es dafür kontinuierlich Innovationsanstrengungen benötigt.   

Hast du konkrete Empfehlungen für Unternehmen, die ihre Innovationskultur stärken wollen? 

Innovation hat sehr viel mit Kreativität zu tun, mit Ideen. Aber aus den Ideen wird erst ein Wert, wenn Unternehmen sie auch umsetzen. Der Weg von der Idee bis zur Umsetzung ist ein strukturierter, sehr effizienter Prozess. Dieser hilft, Kosten zu reduzieren. Je strukturierter und effizienter dieser Prozess und seine Rahmenbedingungen gestaltet sind, desto transparenter und effizienter ist er in der Organisation anwendbar.

Je besser alle Mitarbeitenden die Strategie sowie den gemeinsamen Purpose und die daraus abgeleiteten Themen verstehen, desto eher wissen sie, wie sie selbst zur Lösung des Problems beitragen können. Ein ganzheitliches Innovationsmanagement wird von einer offenen, flexiblen und auch die Herausforderungen der Ambidextrie respektierende Kultur gestützt. Auf diese Weise kann sich ein Unternehmen in der heutigen Zeit zukunftsfähig aufstellen.  

Dennis, vielen Dank für das Gespräch! 

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