So bleiben People-Professionals up-to-date

Seit Jahren ist Stefan Scheller als Persoblogger in der People-Szene bekannt und beliebt. Er hat ein riesiges Netzwerk aufgebaut und ist dadurch ganz nah dran an den aktuellen und langfristigen Entwicklungen. Dieses Wissen bringt er auch in seine Session auf der COCON24 ein. Im Interview teilt Stefan vorab, welche Themen er für entscheidend hält und wie People-Professionals immer auf der Höhe der Zeit bleiben.

Stefan, du kennst dich mit People-Themen aus wie kaum ein anderer. Was sind deiner Meinung nach zurzeit die Hot Topics?  

Die Frage nach den „Hot Topics“ wird mir häufig gestellt. Viele Artikel erscheinen dazu auch in den HR-Fachmedien zu Jahresanfang. Bei mir schlagen da zwei Herzen in meiner Brust. Einerseits gibt es selbstverständlich solche Themenschwerpunkte, die eine Vielzahl von Unternehmen gleichermaßen betreffen. Aktuell sind das zum Beispiel neue gesetzliche Regelungen oder bedeutende rechtliche Entscheidungen mit Auswirkungen auf die HR-Welt. Sie haben dann defacto einen Jahresbezug oder gelten eben ab einem gewissen Zeitpunkt. Beispiele für klassische „Hot Topics“ waren meiner Meinung nach das Inkraftsetzen des Allgemeine Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) oder das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum dritten Geschlecht. Kürzlich deutete sich mit dem Beschluss des OLG Hamburg zur Aufhebung der Anonymität von Bewertenden auf der Plattform kununu ähnliches an. Hier ist aber noch keine finale Entscheidung in Form eines Urteils getroffen.

Andererseits bin ich eher zurückhaltend, „Hot Topics“ zu formulieren. Denn ich finde die Langzeitentwicklungen deutlich spannender und den Blick auf die „Hausaufgaben“, die wir als Personalverantwortliche noch zu machen haben, um zukunftsfit zu sein.

Um dir aber trotzdem ein paar Stichwörter zu geben, würde ich hier folgende Punkte nennen: Fachkräftemangel und demografische Entwicklung, Upskilling und Reskilling als „neues Recruiting“, Gesundheitsvorsorge, Mitarbeitendenbindung und New Pay sowie die großes Frage nach Remote und Homeoffice versus „Back to Office“. Das sind alles große Themenblöcke mit vielen Facetten, die die meisten Unternehmen gerade beschäftigen.

Gibt es darunter ein Thema, das dir besonders am Herzen liegt?

Definitiv. Insbesondere mit Blick auf die angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt finde ich eine ganzheitliche Betrachtung der Menschen in der Organisation besonders wichtig. Dazu gehört alles, was die Mitarbeitenden im Unternehmen hält, produktiver macht und in gewisser Weise voranbringt.

Allen voran sind das Personalentwicklung und Lernen. Denn wenn man sich alleine mal die technologische Entwicklung rund um generative künstliche Intelligenz ansieht, zeigt sich ein enormer Skill-Gap – gerade bei Jobs, die aktuell noch keiner allzu starken Transformation unterworfen waren, Stichwort Wissensarbeitende. Aber auch HR selbst muss sich unbedingt entwickeln und in Lernen investieren!

Mehr zu Stefan Scheller

Stefan, bekannt als „der Persoblogger“, ist HR-Influencer und Gründer von PERSOBLOGGER.DE – einer der bekanntesten deutschsprachigen HR-Websites. Weiterhin ist er als Podcaster mit Klartext HR aktiv. Seine Lernplattform PERSOBLOGGER CLUB bietet hochwertige Lernangebote für HR sowie praxisnahen Austausch in der Community. In seinem Hauptberuf arbeitet Stefan bei der DATEV eG in Nürnberg und berät zu Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting.

Aktuell vollziehen sich in unserer Wirtschaft auch scheinbar gegenläufige Entwicklungen – wir haben etwa auf der einen Seite Fachkräftemangel, auf der anderen ist die Wirtschaftslage nicht einfach. Unternehmen müssen sparen und bauen teilweise auch Personal ab. Wie siehst du diesen Widerspruch und ist es überhaupt einer?

Das geht schon sehr gut zusammen, auch wenn es auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint. Zum einen sind es selten die gleichen Berufsgruppen, bei denen Entlassungen vorgenommen beziehungsweise die auf der anderen Seite stark gesucht werden. Daher kann ein Unternehmen zur gleichen Zeit beides tun: einstellen und entlassen.

Zum anderen sehen wir gerade eine notwendige „Bereinigung“ auf dem Markt: Wenn es die Auftragslage nicht hergibt, müssen Unternehmen irgendwann Kosten reduzieren und oft gehört es dazu, Personal abzubauen. Sonst gerät das Unternehmen in Schieflage. Die wenigsten Unternehmen haben die Kraft, um Personal – außerhalb von Reskilling und Upskilling in der Organisation selbst – auf Dauer mitzutragen, wenn es die Produktivität und Gewinne nicht hergeben.

Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass mit dem Anziehen der Konjunktur, was ja hoffentlich auch mal wieder passieren wird, entlassene Berufsgruppen wieder eingestellt werden. Sofern der Markt sie nicht bereits anderweitig aufgenommen hat und sie in Unternehmen arbeiten, bei denen es noch gut läuft.

Du hast bereits die große Bedeutung von Up- und Reskilling angesprochen. Was bedeutet das für Unternehmen einerseits und die Mitarbeitenden andererseits?

Es gibt es einen starken Skill-Shift. Für Mitarbeitende ist es notwendig, sich fortlaufend weiter zu qualifizieren. Nur so können sie die eigene Arbeitsmarktfähigkeit, also die Employability, erhalten. Es kann für viele Menschen existenziell werden, wenn sie hier zu stark zurückfallen.

Zudem müssen Unternehmen die voranschreitende demografische Entwicklung im Blick behalten. Sie ist zwar schon lange Zeit bekannt und rein rechnerisch total vorhersehbar. Trotzdem kommt die Erkenntnis nur sehr schleichend bei den Personalverantwortlichen an. Zukünftig werden wir in Deutschland kaum mehr mit den natürlich zur Verfügung stehenden Arbeitskräften sowie ihrer vorhandenen Qualifikation auskommen können. Auch hier müssen neue Skills erworben oder vorhandene ergänzt und aktualisiert werden.

Und wir tun zudem gut daran, weitere Gruppen in den Markt zu holen, die ihr Potenzial bisher noch nicht ausgeschöpft haben. Wir sprechen hier zum Beispiel über Teilzeitmitarbeitende, bei uns in Deutschland ja vorwiegend Frauen, oder auch die Integration von ausländischen Arbeitnehmenden, also über qualifizierte Zuwanderung.

Wer als Talent oder People Manager:in up-to-date bleiben will, muss sich ständig informieren. Welche konkreten Angebote und Quellen empfiehlst du, um am Ball zu bleiben?

Das hängt stark davon ab, was genau gelernt werden soll und wie die Lernpräferenzen sind. Wenn es erstmal um Information geht, dann haben wir eine Reihe wunderbarer Fachmedien in Print sowie Online-Portale. Zu Letzteren zähle ich selbstverständlich auch unser HR Praxisportal PERSOBLOGGER.DE, das nahezu täglich informative Artikel, Studien und HR-News bringt.

Aber manchmal hilft auch ein klassisches Fachbuch weiter. Nahezu alle mir bekannten HR-Blogger:innen oder Expert:innen haben in letzter Zeit ein Buch veröffentlicht – eine schöne Renessaince der Printmedien, wie ich finde.

Wenn informieren nicht reicht, sondern eine intensivere Weiterbildung nötig ist, woran erkennen People-Expert:innen gute Angebote?

Ein wichtiger Punkt, danke. Zum Glück gibt es eine Reihe etablierter Weiterbildungsangebote auf dem Markt, bei denen Seminare oder Webinare sowie Ausbildungsgänge gebucht werden können. Neue Dienstleister in diesem Segment bieten fachliche Webinare sogar kostenfrei an – leider oftmals mit einer gehörigen Portion Werbung während der Lernzeit.

Ganz neu positionieren wir gerade unseren PERSOBLOGGER CLUB in diesem Segment, der unter anderem auf eine Webinar-Flatrate für die HR-Weiterbildung setzt, komplett werbefrei ist und vor allem im Sinne von Peer-Learning auf Austausch mit anderen Unternehmen und Dienstleistern basiert. Denn oft braucht es ergänzend zur Theorie auch Good Practices, also Antworten auf die Frage, wie andere Abteilungen und Professionals Themen angehen. Verbunden mit einem multimedialen Mix an werbefreien eigenen Whitepapern, Studienübersichten, Podcast-Deep-Dives sowie unseren neuen Kooperationen mit Lernvideo-Anbietern wollen wir eine Mitgliedschaft für HR-Teams so wirksam wie möglich gestalten.

Und selbstverständlich haben wir in der People-Szene auch eine große Anzahl toller Messen, Konferenzen und Networking-Events sowie Festivals. Hier trifft sich die Szene und erhält wichtige Impulse live und im persönlichen Gespräch. Das ist ein Grund, warum ich mich auch in diesem Jahr total auf eure COCON freue. Hier gibt es schließlich ebenfalls wichtiges Brainfood – und das sogar noch zusätzlich außerhalb der HR-Bubble mit Expert:innen aus Innovation und Transformation mit Workshops und vielem mehr.

Insofern freue ich mich, wenn wir uns alle dort sehen – gerne auch zu meinem Vortragsimpuls zum Thema Corporate Influencer.

Stefan, vielen Dank für das Gespräch!