Soft.fact: Softe Erkenntnisse für den Unternehmenserfolg 

Als Manager hat Urs Merkel erlebt, wie Projekte oder Transformationsvorhaben scheiterten. Er beobachtete, dass dies nicht unbedingt an mangelnden fachlichen Fähigkeiten der Beteiligten lag, sondern an zwischenmenschlichen Hürden. Um das Bauchgefühl auf eine solide Datengrundlage zu stellen, gründete er das Unternehmen soft.fact. Auf der Basis eines innovativen Tools gewinnen Mitarbeitende, Teams und Organisationen Erkenntnisse über den „Faktor Mensch“ und können sich gezielt weiterentwickeln. Du kannst Urs auf der COPETRI CONVENTION 2024 persönlich treffen und sein Unternehmen als Lösungsanbieter kennenlernen.

Urs merkel

„Ich habe viele Führungskräfte erlebt, die den menschlichen Faktor völlig außer Acht ließen.” 

Urs, kannst du kurz erklären, was genau ihr bei soft.fact anbietet und wie ihr dazu gekommen seid?  

Grundsätzlich sollten wir Arbeit in den Dimensionen fachlich, methodisch und menschlich betrachten. Doch mir sind in meiner Arbeit immer wieder Führungskräfte begegnet, die den menschlichen Aspekt komplett außer Acht ließen. Unser Angebot kommt daher aus der Feststellung heraus, dass Projekte sich oft nicht aus dem Grund verzögern oder sogar ganz scheitern, dass es die Menschen fachlich nicht können, sondern dass sie zwischenmenschlich nicht mehr miteinander auskommen. Eine Person fühlt sich etwa ausgeschlossen oder übergangen, eine andere ärgert sich über etwas, was jemand gesagt hat. Es menschelt eben.  

Um diesen Aspekt zu verstehen, gab es bereits in der Vergangenheit verschiedene Einzellösungen, aber nichts, was die unterschiedlichen Facetten zusammenbringt. Wir wollten genau hierfür ein Tool schaffen und haben vor sieben Jahren ein Forschungsprojekt mit 17 Universitäten gestartet. Mit unserem Angebot wollen wir wissenschaftlich begründet die Frage beantworten: Wie können wir unsere Zusammenarbeit so gestalten, dass sie wertschätzend, selbstwirksam, effizient und produktiv wird? 

Welche konkreten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus eurem Forschungsprojekt sind in das Tool und euer Angebot eingeflossen? 

Der Anstoß kam mit meinem Forschungsjahr in Kalifornien. Dort habe ich geschaut, welche Tools für Persönlichkeitsthemen es im deutschsprachigen Raum gibt. Diese waren erschreckend wenig wissenschaftlich basiert. Unser heutiges Tool baut auf den Big Five als gängiges wissenschaftliches Modell auf. Wir haben es aber deutlich erweitert, auf Grundlage der Ergebnisse aus unserem Forschungsprojekt. Insgesamt erfassen wir über Hundert Facetten in fünfzehn Dimensionen wie Werte, Motive oder Resilienz. So können wir ein Rollenneigungsmodell erstellen, das es in dieser Weise noch nicht gab. 

Das soft.fact-Produkt ermöglicht Erkenntnisse auf drei Ebenen: Mitarbeitende, Teams und Organisationen. Wie unterscheidet sich euer Angebot je nachdem, welche Ebene der Kunde oder die Kundin betrachten möchte? 

Wir gehen mit der Haltung heran: Wir müssen uns erst einmal selbst verstehen, bevor wir andere verstehen können. Wir stoßen also Reflexion an und zeigen Entwicklungspfade auf. Auf der individuellen Ebene nimmt unser Tool mit auf eine Lernreise. Es untersucht die drei Bereiche Selbstführung, Haltung/Mindset und Zusammenarbeit. Die Person erfährt damit, wo die eigenen Herausforderungen liegen und wie sie ihr Arbeitsumfeld gestalten sollte. Wenn ich zum Beispiel eher introvertiert bin, brauche ich mehr Pausen zwischen Teammeetings, um meine Akkus aufzuladen. Das Tool bietet auch praktische Aufgaben zum Üben. Zum Beispiel, um die eigenen Aufgaben in smarte Ziele umzuformulieren. Oder es hilft jemandem, ein besserer Teamplayer zu werden. 

Auch bei der Betrachtung der Teamebene erhalten erst einmal alle Beteiligten Zugang zum Tool. Die Ergebnisse legen wir nicht einfach nebeneinander, sondern schauen, wie sich wichtige Aspekte gegenseitig beeinflussen. Denn sobald zwei und mehr Menschen zusammenkommen, beginnen die Missverständnisse und es wird komplex. Wenn zum Beispiel zwei Teams immer wieder Schwierigkeiten miteinander haben, kann es daran liegen, dass sie unterschiedliche Werte haben. Oder sie haben sogar die gleichen Werte, verstehen aber jeweils etwas anderes darunter.

Urs Merkel

Urs ist Co-Gründer und Chief Vision Officer von soft.fact. Er hat Informatik und Wirtschaftpsychologie studiert und mehrere Jahre im Management gearbeitet, unter anderem bei der Otto Group. Vor sieben Jahren entschied es sich zur Gründung von soft.fact, um eine digitale Lösung anzubieten, die psychologische Aspekte von Kollaboration sichtbar und entwicklungsfähig macht. 

Wir machen sichtbar, welche Konflikt- und Reibungspunkte es gibt. Auf der Teamebene bieten wir immer auch begleitende Workshops, um die Ergebnisse zu bearbeiten. Aktuell bauen wir dafür eine Coaching-Community auf, die unser Tool anwenden und anschließend begleiten kann. Mitunter würden die Führungskräfte gerne die nachfolgende Arbeit selbst übernehmen. Aber wir verfolgen einen systemischen Ansatz. Demnach braucht es hier eine externe Instanz, die nicht Teil des Systems ist. So können wir Themen besser lösen und die Zusammenarbeit fördern. 

Auf der Organisationsebene zeigen wir, welche Entscheidungsfindungsmuster es in der gesamten Organisation gibt. Wir machen sichtbar, welche zwischenmenschlichen Themen die Organisation gerade aufhalten, welche Themen sie lösen muss. Der häufigste Fall, den wir begleiten, sind Kulturtransformationen. 

Eure Analysen liefern datenbasierte Erkenntnisse zur Kultur des Unternehmens. Erleben eure Kundinnen und Kunden dabei manchmal Überraschungen und, wenn ja, was folgt daraus? 

Ja, wenn wir bei dem Beispiel Werte bleiben: Es kommt schon vor, dass die Geschäftsführung meint, ihre Werte sollten für die gesamte Organisation gelten. Wir beraten dann dahingehend, dass die Führung durchaus offener sein darf für die vielen Facetten im Unternehmen. In einem Fall haben wir die Werte von 1.700 Mitarbeitenden erfasst – von der Auszubildenden über den Lageristen bis zum Management. Toolbasiert ist das gut möglich. In Workshops nehmen wir dann einen demografischen Querschnitt. In diesen Workshops sind dann vielleicht nur 20 Mitarbeitende beteiligt, aber sie verfügen über die komplette Datenbasis. Wenn alle mitreden dürfen bei einer Wertedefinition, entsteht ein wahnsinnig starkes Zugehörigkeitsgefühl. 

Grundsätzlich gehen wir in unserer Arbeit schrittweise vor: Wir analysieren, legen fest, was als Nächstes zu bearbeiten ist, überprüfen dann die Fortschritte und gehen den nächsten Schritt. Meist begleiten wir Unternehmen für ein bis zwei Jahre. Es entsteht ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess, der das Bauchgefühl mit Daten unterlegt. Dadurch kann auch der oder die CEO den Return of Investment genau nachvollziehen. 

Leute in einem Raum mit urs merkel von soft.fact am Lernen auf der COPETRI Convention

In der aktuell herausfordernden wirtschaftlichen Lage tendieren Unternehmen dazu, sich verstärkt auf herkömmliche Methoden und harte Fakten zu konzentrieren. Wie begegnet ihr bei soft.fact dieser Situation

Wir erleben schon, dass die Vorgespräche mitunter länger dauern. Aber selbst, wenn Mitarbeitende entlassen werden, heißt das ja oft nicht, dass die Arbeit weniger wird.  Dann wird mentale Gesundheit zum entscheidenden Faktor. Unternehmen verstehen schon, dass sie durch unser Tool erfahren, was die einzelnen Mitarbeitenden brauchen, um sich psychologisch sicher zu fühlen und leistungsstark zu bleiben. In meiner Arbeit versuche ich zu vermitteln, dass wir diejenigen sind, die unsere Arbeit gestalten. Wir sollten daher die Chance nutzen und die Arbeit an uns Menschen anpassen und nicht umgekehrt den Menschen an die Arbeit. 

Urs, vielen Dank für das Gespräch!