New Work 2024 – aktueller Stand, Herausforderungen, Lösungen 

Wie steht es um New Work? Momentan gar nicht so gut um den Trend New Work. Das hat Zukunftsforscher Andreas Steinle herausgefunden. Auf unserer DIGICON24 präsentiert er die wichtigsten Erkenntnisse aus seinem “Arbeitsreports 2024 – Vier Zukunftstrends für eine bessere Arbeitswelt”. Im Interview gibt er erste Einblicke. 

Andreas Steinle über New Work
Andreas Steinle im Interview

Die Zukunft von New Work – Andreas Steinle im Interview

Andreas, was verstehst du persönlich unter New Work? 

New Work bedeutet für mich, dass Menschen nach ihren individuellen Vorstellungen und Vorlieben und nach ihren Talenten ihre Arbeit so ausgestalten können, dass sie eine große Befriedigung erfahren. Das heißt, dass sie sehr viel selbstbestimmter, autonomer und freiheitlicher arbeiten können. 

Welchen New-Work-Trend findest du aktuell besonders spannend?  

Im Arbeitsreport 2024 beschreiben wir vier zukunftsweisende Trends im Kontext von New Work. Ich finde vor allen Dingen den Trend Polywork sehr spannend. Menschen arbeiten nicht nur für einen Arbeitgebenden, sondern eher in Patchwork-Jobkonstellationen. Das bedeutet, sie arbeiten nicht nur bei einem großen Unternehmen, sondern können auch noch bei einer Stiftung, einer NGO oder einem Verein tätig sein. Sie können feste und freie Tätigkeiten miteinander kombinieren. So erklärt sich auch die Debatte um die Viertagewoche. 

Menschen haben vielfältige Interessen und Talente. Ein Arbeitgeber allein reicht meist nicht mehr aus. Die Leute wollen nicht unbedingt weniger arbeiten, aber sie wollen anders und vielfältiger arbeiten. Wir müssen das in einem größeren Kontext betrachten: Vor 100 Jahren haben die Menschen 60 Stunden in der Woche gearbeitet. Wir sind nun bei 35 bis 40 Stunden angekommen. Beziehen wir die große technologische Revolution durch künstliche Intelligenz mit ein: Warum sollte die Produktivität in den nächsten Jahren nicht noch einen weiteren Sprung machen? Vielleicht können wir unsere Arbeitszeit um die Hälfte reduzieren.

Wobei Arbeit ein großer Teil des Lebens ist und die Menschen auch sehr glücklich macht. Wenn jemand einen erfüllenden Beruf, eine erfüllende Berufung gefunden hat, dann arbeitet er auch sehr gerne. Daher sehen wir das Phänomen, dass Unternehmer und Unternehmerinnen mit 80 oder 90 Jahren nicht aufhören wollen. Warum soll jemand mit 90 Jahren aufhören, wenn es doch das ist, was Spaß bringt. Arbeit kann eine große Quelle des Glücks sein, weil wir Herausforderungen erleben, spannende, neue Sozialkontakte bekommen, in andere Welten eintauchen und auf Reisen gehen können. Ich glaube, es ist schwierig, etwas so Stimulierendes zu finden wie die Arbeit.  

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Mehr zu Andreas Steinle: 

Andreas Steinle ist Keynote Speaker (u.a. TEDx), Consultant, Buchautor sowie CEO und Co-Gründer des Zukunftsinstitut Workshop in Frankfurt. Seit mehr als 20 Jahren widmet er sich der Trend- und Zukunftsforschung. Seine Leidenschaft gilt der Umsetzung von Trends in Innovationen. Andreas ist Diplom-Kommunikationswirt und hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste in Berlin studiert. 

Wobei es Arbeit gibt, die niemand gern machen möchte.  

Ja, das ist jedoch nicht so sehr der Job, sondern es sind die Arbeitsbedingungen. Ein weiterer Zukunftstrend, den wir in unserer Studie Arbeitsreport 2024 beschreiben, ist das Job Crafting. Es basiert auf einem Konzept der Professorinnen Amy Wrzesniewski und Jane E. Dutton. Sie haben herausgefunden, dass es nicht die Tätigkeit ist, die Menschen unglücklich macht, sondern es ist allein die Art und Weise, wie sie diese Tätigkeit ausüben müssen – egal, ob es darum geht, die Straßen zu reinigen oder Krankenhäuser sauber zu machen.

Denn genau dort, im Krankenhaus, haben die beiden Wissenschaftlerinnen ihre Untersuchungen durchgeführt. Es gibt Menschen, die das von Herzen gerne tun und auch mit Erfüllung, weil sie die Freiheit haben, ihre Tätigkeit nach ihren individuellen Vorstellungen zu gestalten. Etwa können sie sich die Zeit nehmen, mit Patienten zu sprechen, können in Teams arbeiten und die Autonomie erleben, sich ihre Schichten selbst einzuteilen.

Wenn Menschen ihre Arbeitsbedingungen nach ihren Vorstellungen gestalten können, können sie bei jeder Tätigkeit Glück erfahren. 

Welche aktuelle Herausforderung beobachtest du bei der Umsetzung von New Work? 

Die größte Herausforderung ist, Wunsch und Wirklichkeit zusammenzubringen. Die Menschen haben den Wunsch nach mehr Freiheit, mehr Autonomie, mehr individueller Entfaltung bei der Arbeit. Das geht mit den klassischen Arbeitsbedingungen und den Hierarchien, die immer noch herrschen, und dem Führungsverständnis, das nach wie vor in den Köpfen der Menschen ist, nicht zusammen. Wunsch und Wirklichkeit prallen aufeinander.

Viele Arbeitgeber denken immer noch: Wir stellen einen Tischkicker in die Räume und malen die Wände bunt an – dann ist in Sachen New Work alles getan. Aber es geht doch darum, wirklich loszulassen, Autonomie und Verantwortung zu verteilen, und den Menschen mehr Freiheiten zu geben. Dies zuzulassen ist ein großer Schritt für ganz viele Führungskräfte. 

Auf der DIGICON sprichst du über den „Arbeitsreport 2024. Wie’s gelingen kann, damit New Work nicht scheitert“. Welche Kernbotschaft möchtest du den Teilnehmer:innen mitgeben?  

Die Kernbotschaft ist: Die Welt verändert sich, also müssen sich auch die Organisationen verändern. Es bringt nichts, über die Generation Z zu schimpfen, und sie als Snowflakes zu bezeichnen, die nicht arbeiten wollen. Das ist eine Verweigerungshaltung, die zu nichts führt, und die auf Missverständnissen basiert. Die jungen Menschen wollen anders arbeiten, freiheitlich arbeiten. Sie wollen selbstverantwortlicher sein und mehr auf ihre Gesundheit, auch auf ihre emotionale Gesundheit, achten. Dafür müssen neue Bedingungen geschaffen werden. Es muss ein Umdenken im Kopf passieren. 

Vielen Dank für das Gespräch, Andreas!

Du möchtest dich in die Studienergebnisse vertiefen und den „Arbeitsreport 2024“ komplett lesen? Dann kannst du ihn hier erwerben: Studie: Arbeitsreport 2024 | Zukunftsinstitut Workshop (zukunftsinstitut-workshop.de)

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