Amazon ist das zweitumsatzstärkste Unternehmen der Welt. Bei Innovationen setzt man dort konsequent auf Kundenorientierung, die Methode heißt „Working Backwards“. Wir werfen heute einen Blick auf die Idee dahinter, die gerade in einem Buch veröffentlicht wurde.

Working Backwards – eine radikal kundenzentrierte Strategie für Innovationen

Wisst ihr, welche Strategie bei Amazon, dem zweitumsatzstärksten Unternehmen der Welt (386 Mrd. USD in 2020), bei Innovationsprozessen konsequent eingesetzt wird?

Nein? Kein Wunder, denn die kannten bisher hauptsächlich die echten „Amazonianer“. Das ist jetzt anders, denn Anfang 2021 erschein ein Buch, das genau diese Innovationsmethodik gepaart mit der Amazonkultur auf 298 Seiten darlegt. Verfasst haben es zwei langjährige Führungskräfte des Unternehmens – der Titel:  „Working Backwards: Insights, Stories, and Secrets from Inside Amazon”. Wir möchten heute mit Euch einen Blick auf die wichtigsten Insights werfen.

Rückwärts arbeiten?

Die meisten Unternehmen arbeiten vorwärts. Sie gehen von etwas Bestehendem aus und passen es für sich an. Was sind die neusten Technolgietrends und wie können wir sie einsetzen, was bringt uns Scrum und Blockchain und was können wir damit machen? Diese Art zu denken ist nicht verkehrt, und beantwortet schon einmal einige Fragen zu der Vorgehensweise bei der Entwicklung. Jedoch ist es meistens so, dass das, was im Hintergrund passiert, für den Kunden nicht interessant ist. Er fragt sich lediglich, wo er für sich den größten Nutzen erzielt und seine Investition tätigt.

Wäre es also nicht besser, Innovation aus der anderen Richtung – rückwärts vom Ergebnis für den Kunden her kommend – anzustoßen?

Die Methode „Working Backwards“ setzt genau dort an und stellt den Kunden an den Beginn jedes Innovationsprozesses. Welche Bedürfnisse und Probleme hat er, welche Lösungen und Produkte wünscht er sich?

Konkret läuft das bei Amazon folgendermaßen ab: Am Anfang des Innovationsprozesses steht eine fiktive Pressemitteilung, die das Team zu verfassen hat. Dabei stellt sich das Team vor, dass es einen Produktlaunch in den Markt kommuniziert. Pressemitteilungen müssen in einer Sprache verfasst sein, die allgemein gut verständlich ist, für Leser und Kunden. Die Produktvision muss also auf diesem Wege in eine kundenfokussierte Sprache gebracht werden – unabhängig davon wie komplex das Produkt und der Weg dorthin sein mögen.

Diese Pressemitteilung ist auch die Basis, um dann intern das Unternehmen mit den entsprechenden Einheiten zu motivieren und für die Vision zu begeistern.

Backwards

„Working Backwards stellt sicher, dass wir uns mit den schwierigsten Fragestellungen auseinandersetzen, bevor wir uns an die Umsetzung machen, an die Technologien, die Methoden zur Implementierung und das Coden. Es erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns auf etwas fokussieren, was für den Kunden relevant ist,“ erläutert Feras Alsamawi, Digital Innovation EMEA, Amazon Web Services, die Vorgehensweise.

Laut dem Harvard Business School Professor Clayton Christensen gibt es über 30.000 neue Produkte, die jedes Jahr gelauncht werden.

%

der neuen Produkte scheitern.

Das zeigt auf, wie schwierig es ist, wirklich gute und brachbare Innovationen zu entwickeln, die überhaupt eine reale Chance auf Erfolg am Markt haben. Die Idee, den Kunden radikal in den Mittelpunkt zu stellen, scheint vor diesem Hintergrund ein guter Weg zu sein. Ähnlich formulierte es schon Seth Godin, ein US-amerikanischer Unternehmer und Autor: „Don’t find customers for your products, find products for your customers.“

Amazon hat für sich den Auftrag definiert, „to be Earth’s most customer centric company“. Daran wird täglich hart gearbeitet, jedoch wird das Unternehmen nicht immer allen Belangen gerecht. Die Arbeitsbedingungen bei Amazon jenseits der Headquarters, nämlich in den großen Distributionszentren, stehen regelmäßig in der Kritik.

Ebenso der Umgang mit Lieferanten, Wettbewerbern, Mitarbeitern und der Umgang mit Steuerzahlungen. Jeff Bezos hat soeben die Geschäftsführung an seinen Nachfolger Andy Jassy abgegeben. Inwiefern er die Kultur weiterführt oder auch Segel neu setzt, wird abzuwarten sein.

Das könnte dich auch interessieren.

Apple? Microsoft? Z3!

Gestatten: Z3, der erste funktionsfähige Computer der Welt. 80 Jahre ist er inzwischen alt: Am 12. Mai 1943 wurde er von seinem Entwickler Konrad Zuse (daher das Z im Namen) erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt – und zwar in Berlin! Doch die große Resonanz blieb...

mehr lesen