COPETRI Innovation Circlist Philipp hat BWL an der RWTH Aachen und der FernUni Hagen studiert. Während und nach dem Masterstudium war er am Fraunhofer IAO im Bereich F&E-Management tätig. Nach mehreren Stationen in verschiedenen Industriebranchen, in denen er Innovationsmanagementsysteme aufgebaut und geleitet hat, widmet er sich jetzt dem Wissensaufbau und der Wissensweitergabe in der forschungsnahen Beratung TIM CONSULTING. Im Interview mit uns teilt er Best Practices und erläutert, welche Rolle „Batching“ für mehr Produktivität spielt.

Wie können die Bereiche Innovation, Transformation und People Management stärker verzahnt werden?

Alles steht und fällt mit dem Menschen. Viele Lebens- und Arbeitsbereiche sind aber noch durchdrungen von technokratischen und tayloristischen Denkweisen. Wie in der Makroökonomie liegt die Annahme des rational handelnden homo oeconomicus zu Grunde. Human Resources, wie das schon klingt: Genau wie bei den Production Resources brauche ich einen klaren Prozess, saubere Taktung und scharf abgetrennte Aufgabenbereiche, dann läufts schon.

Menschen funktionieren so aber nicht. Neben vielen anderen haben zuletzt z.B. die Nobelpreisträger Daniel Kahneman und Richard Thaler eindrucksvoll, und mit ihren Bestsellern publikumswirksam gezeigt, dass Menschen nicht rational handeln, auch wenn sie es versuchen.

Tiefverwurzelte Bedürfnisse wie Stabilität, Risikoaversion und Gruppenzugehörigkeit müssen adressiert werden. Der Innovator, der unweigerlich gegen den Strom schwimmt darf nicht mehr Persona non grata sein, Veränderung und Wandelbewusstsein sollten fester Bestandteil der Denkprozesse werden.

Wenn Unternehmen offener, interdisziplinärer und integrativer werden, dann wird es auch die Innovation. Effizienz und unbürokratische Flexibilität müssen, meiner Meinung nach, keine Widersprüche sein. Das sind ziemlich dicke Bretter und an 100 Jahre lang eingeschliffenen Methoden zu rütteln ist schwer. Aber sich die Themen bewusst machen und einen Diskurs anstoßen ist ein Anfang und kann sicher nicht schaden.

Welche drei Best Practice-Tipps hast du dafür aus deinem Arbeitsalltag für uns?

Mein Arbeitsalltag ist geprägt von vielen verschiedenen Tätigkeiten. Für hohe Produktivität funktioniert für mich Batching sehr gut. Wichtig ist es dabei Ablenkungen zu minimieren, also Benachrichtigungen ausstellen etc. Das Handy am besten in einen anderen Raum, es gibt eine neue Studie, die besagt, dass allein der Anblick des Handys schon ablenkend wirkt.

Ich neige dazu mich in kleinen Details zu verlieren und endlos an Sachen herumzufeilen. Komplexe Lösungen werden aber nie „fertig“, deshalb versuche ich mir immer wieder das Pareto-Prinzip ins Gedächtnis zu rufen, 80% des Ergebnisses in 20% der Zeit.

Zuhause arbeite ich gerne mit der Pomodoro Technik. Da ist für die fünfminütigen Pausen immer was im Haushalt zu tun, was eine gute Ablenkung von der Bildschirmarbeit ist.

Wie gelingt es dir, dich immer wieder auf neue Situationen und Anforderungen in dieser schnelllebigen, agilen Welt einzustellen?

Wir alle neigen, insbesondere in dynamischen und komplexen Situationen zu Übersprungshandlungen. Klassische Reaktionen sind „das geht so nicht“, „das können wir nicht“, „das haben wir noch nie so gemacht“. Ich versuche diese Reiz-Reaktionsketten bewusst zu durchbrechen. Dafür reicht oft schon 2-3-mal tief durchatmen und dann darüber nachdenken.

Ich bin auch ein Fan der stoischen Philosophie. Ein berühmter Satz von Marcus Aurelius sagt, dass Hindernisse Handlungen forcieren. Was im Weg steht wird selbst zum Teil des Weges. 

Was war deine letzte Lessons Learned und wie wendest du das Gelernte jetzt an?

Die oben erwähnte Studie mit dem Handy hat mich wirklich erstaunt. Ich versuche also mein Handy in der Küche zu lassen.

Perspektiven verbinden bedeutet für mich…

… konkurrierende Ideen gleichzeitig zu verfolgen z.B. Bestehendes sichern und Neues erkunden, oder Freiheit durch Disziplin.

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Warum bist du bei den Circles dabei?

Ich freue mich sehr darauf neue Menschen kennenzulernen, insbesondere mit ganz anderen Hintergründen, mit ihnen Wissen zu tauschen und neues zu generieren.

In welchem Themenbereich innerhalb von Innovation siehst du deine Expertise?

  • Innovationsstrategie und Aufbau von ganzheitlichen Innovationssystemen, insbesondere in Industrie-Unternehmen
  • Cross-Industry Innovation
  • Open Innovation

Was möchtest du der Community durch die Circles mitgeben?

Ich hoffe, wir können gemeinsam an der nächsten Generation von organisiertem Innovieren arbeiten und unsere Erkenntnisse möglichst vielen Interessierten vermitteln.

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