Was macht Dänemark anders als Deutschland, um gerade in den Bereichen Innovation und Digitalisierung so weit vorne zu sein? Im Interview mit COPETRI verrät Reiner Perau, Geschäftsführer der Deutsch-Dänischen Handelskammer in Kopenhagen, warum Dänemark Deutschland weit voraus ist.

Herr Perau, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen. Als Geschäftsführer der Deutsch-Dänischen Handelskammer, was fasziniert Sie an Dänemark?

So einiges. Da ist zum Beispiel die solidarische Gesellschaft, in der die Menschen viel Vertrauen zueinander haben. Darüber hinaus ist da die Innovationsfreude und -kraft und die Lust auf Neues. Auch funktioniert das Land bestens.

Wie eng ist der wirtschaftliche Austausch und die Zusammenarbeit der beiden Länder?

Deutschland ist Dänemarks wichtigster Handelspartner. Wir kaufen in Dänemark vor allem Energietechnik, Pharmaprodukte und Nahrungsmittel sowie auch Vorprodukte für unsere Industrie. Umgekehrt verkauft Deutschland Autos (mit wachsendem Erfolg), Maschinen und Chemie nach Dänemark.

Der Verband Dansk Erhverv hat in einer Studie herausgefunden, dass vier von fünf dänischen Unternehmen vorwiegend online einkaufen, und das auch unabhängig von der Corona-Pandemie. Warum sind die Dänen so online affin?

Das liegt unter anderem an der oben schon beschriebenen Lust am Neuen. Eine andere Sache ist, dass der dänische Staat die Digitalisierung mit mehr Energie betrieben hat als Deutschland.

Die Dänen sind Deutschland bei der Digitalisierung mehrere Jahre voraus. Auf der Internetseite der AHK beschreiben Sie, dass der Check-In beim Testzentrum in Stuttgart 5 Minuten und in Kopenhagen 5 Sekunden dauert. Im günstigsten Fall sei man in Kopenhagen schon nach 5 Minuten wieder raus aus dem Testzentrum. Können Sie den bisherigen Weg Dänemarks bei der Digitalisierung skizzieren?

Dänemark hat Digitalisierung strategisch betrieben. 2001 kam der erste Dreijahresplan heraus und seitdem wird alle paar Jahre eine neue Strategie gemacht und auch umgesetzt. Es gibt hierfür eine eigene Behörde (digitaliseringsstyrelsen). Dänemark scheint vor allem sehr stark darin zu sein, Pläne tatsächlich auch umzusetzen. Neben dem festen politischen Willen sind auch die Ressourcen da, im Sinne von Finanzen und Managementkapazitäten im öffentlichen Sektor. Daran scheint es in Deutschland oft zu mangeln.

Dänemarks B2B-Online-Handel wird 2022 voraussichtlich um 13 % wachsen. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt das jährliche Wachstum durchschnittlich 6 %. Wie hoch ist das Investitionsvolumen dänischer Unternehmen im e-Commerce und was trägt zum rasanten Wachstum des Online-Handels im B2B-Bereich bei?

Die dänischen Unternehmen sind natürlich einfach weiter bei der Umstellung ihrer Prozesse auf digital. Wer da nicht mitdigitalisiert, wird natürlich zurückgelassen und ist geradezu gezwungen, zu investieren.

Auch im World Competitiveness Ranking der IMD Business School liegt Dänemark konstant unter den Top 3 – aktuell auf Platz 2, Deutschland auf Platz 17. Was kann Deutschland von Dänemark lernen?

Deutschland sollte studieren, wie man Digitalisierung strategisch plant und umsetzt. Das wird in Dänemark exzellent gemacht. Dänemark ist umsetzungsstark.

Wie agil sind dänische Unternehmen und wie fördern sie eine Innovationskultur?

In der nationalen Kultur Dänemark liegt es, dass die sogenannte Machtdistanz niedrig ist. So sprechen alle mit allen. Das gilt dementsprechend auch in Unternehmen. In dieser Kultur der Zusammenarbeit entsteht Innovation ganz natürlich. Agile Methoden der Kooperation und der Projektsteuerung sind selbstverständlich.

Deutsch-Dänische Handelskammer
Bild: Deutsch-Dänische Handelskammer

Entwickeln dänische Unternehmen Innovationen selbst oder adaptieren sie sich schneller an sich verändernde Marktgegebenheiten?

Dänischen Unternehmen steht natürlich wie anderen die Bandbreite an Innovationsmethoden zu Verfügung: Produktinnovation, Open Innovation, start up Innovation. Da dänische Unternehmen genau wie DänInnen flexibel sind, passen sie sich schnell an.

BIOGRAFIE

Reiner Perau

Reiner Perau ist seit 2008 Geschäftsführer der Deutsch-Dänischen Handelskammer in Kopenhagen. Der studierte Volkswirt arbeitet seit 1995 für die deutschen Industrie- und Handelskammern und kennt sowohl die deutsche als auch die dänische Arbeitswelt. Im Interview mit COPETRI verrät er, warum Dänemark Deutschland gerade bei der Digitalisierung weit voraus ist.

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