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„Soziale Nachhaltigkeit gehört in die Mitte des Business!“

Social Corporate Responsibilty reicht nicht, sagt Nari Kahle, Speakerin auf der COPETRI CONVENTION 2022. Ihr Anliegen ist es, wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit in Unternehmen zentral zu positionieren und zusammenzudenken. Dieses Ziel verfolgt Nari als Head of Strategic Programs bei CARIAD SE, dem Software- und Technologieunternehmen im Volkswagen Konzern, aber auch als Autorin des Buches „Mobilität in Bewegung“. Im COPETRI-Interview erzählt sie von ihrer Mission.

NARI, IN DEINER ARBEIT SPIELT DAS THEMA SOZIALE NACHHALTIGKEIT EINE ZENTRALE ROLLE. WARUM IST ES DIR SO WICHTIG?

Ich habe im Studium angefangen, mich für Wirtschaftsethik zu interessieren und auch meine Abschlussarbeit darüber geschrieben. Damals war viel von Corporate Social Responsibility die Rede, also von sozialem Engagement und Volunteering, aber auch von Spenden. Das war mir jedoch zu wenig. Ich fand, dass Unternehmen mit ihren Produkten und Dienstleistungen weit mehr bewirken können und habe zu sozialen Innovationen promoviert – also Innovationen, die einen sozialen und einen wirtschaftlichen Mehrwert haben. Seitdem begleitetet mich dieses Thema.

Soziale Aspekte gehören für mich in die Mitte des Business und nicht in die Randbereiche. Jedes Unternehmen sollte sich im Kern damit auseinandersetzen, welchen Beitrag es für eine bessere Gesellschaft und eine bessere Zukunft aller leisten kann. Wie kann also Profit für ein besseres Wirtschaften eingesetzt werden?

AUCH IN DEINEM BUCH „MOBILITÄT IN BEWEGUNG“ BESCHÄFTIGST DU DICH MIT SOZIALEN ASPEKTEN. WIE GEHÖREN MOBILITÄT UND SOZIALES FÜR DICH ZUSAMMEN?

 

Zunächst war mir wichtig, den sozialen Aspekt überhaupt stärker in die Mobilitätsdiskussion einzubringen. Denn diese ist sehr stark von Fragen der ökologischen Nachhaltigkeit geprägt, etwa zur Reduktion des CO2-Ausstoßes. Das sind absolut wichtige Überlegungen, die wir hoch priorisieren müssen. Dennoch dürfen wir die sozialen Fragen der Mobilität nicht vergessen, denn auch sie sind essentiell. Um nur einige zu nennen: Wer hat Zugang zu Mobilität und zu welchem Preis? Wen schließen wir derzeit von Mobilität aus? Warum steht innovative Mobilität nur in der Stadt zur Verfügung? Vergessen wir die ländlichen Regionen? Welche Angebote gibt es auch künftig noch für Menschen, die ihre Tickets nicht digital buchen können oder wollen? Wie kann Inklusion und Diversität in der Mobilität besser gelingen?

WENN ES UM NACHHALTIGKEIT GEHT, SORGEN SICH VIELE MENSCHEN UM DIE KOSTEN. AUF DER COCON22 SPRICHST DU DARÜBER, WIE WIR WIRTSCHAFTLICHES UND SOZIALES ZUSAMMENBRINGEN. WORUM GEHT ES GENAU? 

Ich bin überzeugt, dass soziale und wirtschaftliche Aspekte zusammengehören. Denn wir können uns nicht nur fragen, wie gute Lösungen aussehen, sondern müssen auch an die Umsetzbarkeit und Bezahlbarkeit denken. Die beste Idee hilft nicht, wenn sie nicht finanzierbar ist. Insofern verfolge ich nicht den Ansatz, nur zu schauen, wie eine bessere Wirtschaft aussehen sollte. Mich beschäftigt immer auch, wie sich sozial und wirtschaftlich von Anfang an zusammen denken lassen. Das ist mir ein ganz persönliches Anliegen, das ich zur CoCon22 mitbringe.

ALS MANAGERIN IN DER VUCA-WELT STEHST DU IMMER WIEDER VOR NEUEN HERAUSFORDERUNGEN. WIE GEHST DU PERSÖNLICH DAMIT UM?

Ich arbeite in der Automobilbranche und damit in einem Umfeld, das derzeit vermutlich seine größte Transformation erlebt. Das finde ich persönlich wahnsinnig spannend. Wie wird das Auto der Zukunft aussehen? Wird es digital sein? Wie werden wir es nutzen? Und welchen Mehrwert kann es uns für die Zukunft bringen? Wie können wir durch autonomes Fahren denjenigen Mobilität schenken, die vorher nicht allein unterwegs sein konnten?

Als Führungskraft bin ich aber auch gefragt, mein Team mitzunehmen. Ich lege deshalb viel Wert darauf, bei allen Herausforderungen positiv zu sein und herauszuarbeiten, wo wir als Team welchen Beitrag leisten können und das auch zu vermitteln.

BEI DEINER ARBEIT ENTWICKELST DU DICH AUCH SELBST IMMER WEITER. WAS WAR DEINE LETZTE LESSON LEARNED?

Ich bin davon überzeugt, dass die aktuellen Veränderungen unserer Arbeitswelt auch neue Anforderungen an uns Führungskräfte stellen. Seit über zwei Jahren arbeiten wir im Team komplett remote. Dadurch sind wir sicherlich ungemein effizient. Alle Meetings fangen pünktlich an, alle Fragen werden zielgerichtet diskutiert. Darin liegt aber ein gewisses Risiko, die Menschen nicht mehr so gut im Blick zu haben. Wir müssen auch mal genauer nachfragen, wie es jemandem geht, uns Zeit nehmen für komplexere Gespräche und persönliche Gestaltungsspielräume schaffen.

Es ist deutlich einfacher, sich mal bei einem Kaffee zusammenzusetzen und zu fragen, wie es geht. Umso wichtiger ist es mir, auch zwischendurch im digitalen Umfeld nachzufragen, was einen beschäftigt und sich im Team Zeit für Themen außerhalb der Arbeit zu nehmen. Wir treffen uns einmal monatlich virtuell und gestalten abwechselnd diese Zeit. So haben wir zum Beispiel schon zusammen gekocht, Yoga gemacht und ein Escape Game gespielt. Da ergeben sich auch Gespräche, die wir sonst nicht führen würden. Das stärkt den Zusammenhalt, aber auch das gegenseitige Vertrauen – für mich absolut notwendige Erfolgsfaktoren, um in einem phantastischen Team gemeinsam Spitzenleistungen zu bringen.

Nari, vielen Dank für das Gespräch!  

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