Teile unseren Beitrag auf Social Media!

Web3: DezentralisierungSelbstverantwortung Tokenisierung 

Schnelle Veränderungen sind Sabrina Goerlichs Lebenselixier. Die Expertin für Design Sprints ist von den neuen und grundlegend anders gearteten Chancen des Web3 fasziniert und hat sich in die komplexe Materie eingearbeitet. Was bringt die dritte Generation des Internet und wo liegen die Risiken? Im COPETRI-Interview gibt Sabrina Antworten darauf. 

SABRINA, VON WEB3 HABEN VIELE MENSCHEN SCHON GEHÖRT, ABER SIE HABEN ES NOCH KEINE EIGENE ERFAHRUNG DAMIT. WIE BESCHREIBST DU WEB3? 

Die dritte Stufe des Internets, die wir Web3 nennen, hat einige typische Merkmale: 

  1. Dezentrales Hosting: Derzeit befinden wir uns in der Phase Web2 und Daten sind zentral auf Servern gespeichert, meist bei großen Konzernen wie Google, Amazon oder Meta. Web3 beruht hingegen auf der Blockchain-Technologie, also auf dezentralen Datenbanken. Das heißt, die Daten an mehreren Orten gleichzeitig gespeichert werden. Diese Daten sind aufgrund der Technologie nicht mehr veränderbar, also auch nicht manipulierbar. 
  1. Selbstverantwortung: Da es keine Mittelsmänner mehr gibt, sind wir selbst für unsere Daten verantwortlich. Wenn wir zum Beispiel die Zugangsdaten für unser Wallet (digitale Geldbörse – die Red.) verlieren, ist sie wirklich weg. Es gibt niemanden, an den wir uns wenden können. 
  1. Tokenizing: Web3-Unternehmen bilden Token, also digitale Anteilsmarken, die sie an ihre Community ausgeben. Damit erhält jede:r Anteile am Wirtschaften des Unternehmens.  
WAS GENAU SIND DIE VORTEILE DER TOKEN?  

Wenn wir selbst Miteigner des Web3-Unternehmens sind, haben wir zum Beispiel eine hohe Motivation, uns zu engagieren und mitzugestalten. Communities können daher vom Web3 und der Tokenisierung sehr stark profitieren. Token können aber auch eine Form von Wertschätzung sein. So honoriert es zum Beispiel der Browser Brave mit der Ausgabe von Token, wenn sich jemand Werbung anschaut. Je nachdem, wie viel Wert ein Unternehmen bereits geschaffen hat, sind die Token unterschiedlich wertvoll und können wie ein Zahlungsmittel eingesetzt, gehandelt oder getauscht werden. 

BEISPIELE FÜR TOKENIZING SIND AUCH BITCOINS ODER NFTs. GERADE HIER HABEN SICH BEDEUTSAME RISIKEN GEZEIGT. WIE SIEHST DU DIESEN ASPEKT? 

Ja, es gibt natürlich auch Risiken. Ich bin selbst schon bei einem NFT-Kauf betrogen worden, weil ich auf einen falschen Link geklickt habe. Es gibt immer wieder Betrüger, die Sicherheitslücken finden, und dann erst werden diese Lücken geschlossen. Wie in unserer realen Welt, in der es ja auch Betrug gibt, lernen wir im Web3 iterativ, mit Risiken umzugehen. 

WELCHE WEITEREN CHANCEN BIETET WEB3? 

Zum Beispiel eine bessere Nachvollziehbarkeit von Lieferketten, was ja für Nachhaltigkeit entscheidend ist. Ich kann sehen, unter welchen Umständen Rohstoffe produziert wurden, etwa ob pflanzliche Lebensmittel mit oder ohne Pestizide angebaut wurden. Allerdings müsste dort, wo die Daten erstellt werden, überprüft werden, dass sie korrekt sind. Danach sind sie, wie gesagt, nicht mehr manipulierbar und somit sehr sicher. Ein kritischer Punkt in Bezug auf Nachhaltigkeit ist derzeit noch, dass die Blockchain-Technologie viel Energie verbraucht. Die Unternehmen arbeiten daran, dies zu ändern und die Technik energieeffizienter zu machen, vor allem, indem sie die Vorgänge beschleunigen. Im Moment verarbeitet etwa Ethereum, eine der führenden Blockchains, pro Sekunde 10 bis 15 Transaktionen pro Sekunden. Das soll auf bis zu 100.000 pro Sekunde steigen. 

WIE SIEHT ES DENN MIT DEN GESETZLICHEN REGULARIEN FÜR WEB3 AUS? 

Das ist international völlig unterschiedlich. Je nach Land gibt es strenge oder auch gar keine Regularien. Wer ein Web3-Unternehmen gründet, ist geografisch nicht festgelegt, Er oder sie kann überall gründen. Da ist es eine sehr wichtige Entscheidung, welches Land und damit welche Regularien man wählt. 

DAS HEISST ABER AUCH, MAN KANN EIN LAND OHNE JEGLICHE REGULARIEN WÄHLEN UND DIESE DAMIT KOMPLETT UMGEHEN? 

 
Das kann man durchaus machen, aber es besteht damit natürlich die Gefahr, dass sobald sich Regularien ändern, nicht mehr regelkonform zu sein. Für mich ist ein regelkonformes und zugleich kreatives Konzept ein wichtiger Bestandteil eines Web3Produktes oder Unternehmens. Durch die sehr verschiedenen, rechtlichen Grundlagen weltweit ist meiner Meinung nach nur ein kollaborativer Ansatz zur Problemlösung sinnvoll. Ein erster Schritt war unser Web3 Legal Design Hackathon am Wochenende, bei dem wir mit einer internationalen Gruppe von 25 Anwälten Konzepte entwickelt haben. 

WENN SICH JEMAND IN WEB3 HINEINFINDEN WILL, WIE KANN ER ODER SIE AM BESTEN STARTEN? 

 
Web3 ist nicht einfach zu beschreiben. Was daran wirklich faszinierend ist, erkennt man erst durch die eigene Erfahrung. Ich empfehle daher, sich einer Web3-Community anzuschließen und sich damit vertraut zu machen. Die dritte Internetphase kommt ganz bestimmt, sie hat schon angefangen. Wir sollten uns alle damit beschäftigen, damit wir einen positiven Einfluss haben. Denn, um Lincoln zu zitieren, das beste Mittel die Zukunft vorherzusagen, ist sie selbst zu erfinden. 

Sabrina, vielen Dank für das Gespräch! 

Das könnte dich auch interessieren.

Mentale Gesundheit: Tipps für mehr Superpower

Mentale Gesundheit: Tipps für mehr Superpower

Der Megatrend Gesundheit hat sich in den letzten Jahren immer tiefer in unserem Bewusstsein verankert. Er prägt mittlerweile sämtliche Lebensbereiche, auch die Arbeitswelt über Branchen und Unternehmen hinweg. Dabei steht die mentale Gesundheit der Mitarbeiter:innen immer mehr im Fokus.

mehr lesen
Claas Triebel: Von Berufen zu Kompetenzen

Claas Triebel: Von Berufen zu Kompetenzen

Das Konzept vom Beruf für‘s Leben gibt es nicht mehr. Die Arbeitswelt verändert sich rasend schnell und erfordert ständige Anpassung. Umso wichtiger ist es, die individuellen Kompetenzen zu kennen und weiterzuentwickeln. Claas Triebel arbeitet dabei mit dem SKATE-Modell. Im Interview erklärt er, wie dieser Ansatz hilft, Kompetenzen zu stärken.

mehr lesen
Ressourcen für Innovations-Ökosysteme fehlen

Ressourcen für Innovations-Ökosysteme fehlen

Als Vorstand und Moderator der Plattform für Innovation in Deutschland (PFID) treibt Markus Garn Innovationsthemen voran. Im COPETRI-Interview stellt er die „Cross“-Idee der Initiative vor und erklärt, warum Menschen und Bereiche zueinander finden müssen, die sich bisher nicht getroffen haben.

mehr lesen

Teile unseren Beitrag auf Social Media!