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Old Work oder New Work? Good Work!

Als systemische Organisationsberaterin beschäftigt sich Jule Jankowski mit gelungener Zusammenarbeit und zukunftsfähiger Arbeitskultur – und kommt zu dem Ergebnis: Neu ist kein Selbstzweck. Vor einigen Jahren gründete sie die Beratungsboutique Humiq und arbeitet heute daran, eine sinnvolle Balance zwischen Old und New Work zu schaffen. Kurz: Good Work! Ihre Erfahrung und ihr Wissen  zu diesem Thema bringt Jule auch zur COPETRI CONVENTION 2022 mit.

JULE, DU UNTERSTÜTZT UNTERNEHMEN DABEI, IHREN WEG ZU GOOD WORK ZU FINDEN. WARUM SPRICHST DU VON GOOD UND NICHT VON NEW WORK?

Ich sehe darin weniger eine Abgrenzung von New Work als eine Hinwendung zu guter Zusammenarbeit. Ich stimme überein, dass wir einen Paradigmenwechsel brauchen und erwarte, dass die Entwicklungen in unserer Arbeitswelt auch noch viel dynamischer werden. Aber neu ist eben kein Selbstzweck. Wenn wir New Work wollen, heißt das immer auch, dass wir von den Menschen erwarten, anders als bisher zu arbeiten. Doch das ist gar nicht immer nötig oder sinnvoll. Es gibt ja sehr erfolgreiche Unternehmen, die offenbar vieles richtig machen. Also geht es nicht nur darum zu schauen, was wir neu und anders machen können, sondern was wir bewahren und was wir ändern wollen, damit es gut wird. Deshalb engagiere ich mich mehr für Good Work als für New Work.

GIBT ES WEITERE KONKRETE NEW-WORK-ENTWICKLUNGEN, DIE DU KRITISCH SIEHST?

New Work arbeitet sich mitunter zu sehr an dem ab, was sichtbar ist. Zeitweise schienen mir die richtigen Möbel wichtiger zu sein als die Art der Zusammenarbeit. Und mir fehlt manchmal ein Ausbalancieren gegensätzlicher Positionen. So werden individuelle Bedürfnisse sehr stark betont, wie man zum Beispiel an Begriffen wie Selbst-organisation und Selbst-bestimmung sieht. Das sind auch durchaus wichtige Themen. Aber wir alle brauchen andererseits Verbundenheit und Beziehungen zu anderen Menschen. Eine Überhöhung des „Selbst“ führt schlimmstenfalls zur Selbstoptimierung, und Zusammenarbeit wird nicht gelingen. Die Frage, was gut und sinnvoll ist, kommt auch hier zu kurz. Ebenso bei den derzeitigen Diskussionen um Home-Office und Präsenz. Warum etwa setzen Unternehmen ihre Präsenztage immer am Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag an? An diesen Tagen ist es jetzt wieder voll auf den Straßen und alle ärgern sich, dass sie im Stau stehen, während Montag und Freitag niemand ins Büro fährt.

AUF DER COCON22 BIETEST DU EINEN DEEP DIVE ZU GOOD WORK AN. WAS KANNST DU UNS DAZU SCHON VERRATEN?

Good Work geht zurück auf eine Feldforschung, die ich zu Beginn des ersten Lockdowns gestartet habe. Als verkündet wurde, dass Kitas und Schule schließen werden, war meine Überlegung: „Wie soll das denn nun gehen, wenn plötzlich so viele Menschen im Homeoffice (bei den Kindern) sitzen werden? Das wird unsere Arbeitswelt komplett auf den Kopf stellen.“

Ich beschloss, eine Chronik aufzusetzen und mitzuschreiben. Meine Forschungsfrage war: Wie werden Menschen und Unternehmen mit den radikalen Veränderungen in ihrer Arbeitsrealität umgehen? Und: Was werden sie dabei lernen?

Ich habe einen Leitfaden entwickelt und Interviews geführt. So wie ich es in meiner früheren Karriere als Sozial- und Kundenforscherin jahrelang praktiziert hatte. Die Gespräche sind alle im Podcast GOOD WORK veröffentlicht. Dieser umfasst mittlerweile rund 140 Folgen mit Menschen aus der Mitte der Arbeitswelt sowie mit namhaften Experten. In der Auswertung all dieser Gespräche haben sich fünf Prinzipien herausgebildet, die für eine gute Bewältigung der Situation entscheidend waren. Diese GOOD WORK Prinzipien können uns auch künftig hilfreich zur Seite stehen, wenn wir gute Zusammenarbeit gestalten wollen. Welche das sind und wie sie wirken, erfahren meine Teinehmer:innen auf der Convention. Ein paar der eingefangenen Stimmen werde ich auch wieder „zum Leben erwecken“. Die Zuhörer:innen dürfen gespannt sein auf ein multimediales Erlebnis.

IN DEINER ARBEIT GEHT ES UM VERÄNDERUNG. DU BEGEGNEST DABEI AUCH SELBST IMMER WIEDER UNTERSCHIEDLICHEN HERAUSFORDERUNGEN UND SITUATIONEN. WIE GEHST DU DAMIT UM? 

Indem ich mir erst ein Bild mache und dann in kleineren Schritten denke. Mich irritiert es sehr, wenn Menschen für komplexe Herausforderungen sofort eine Lösung oder Antwort parat haben. Das gilt für die Wirtschaft, aber auch für die Politik. In solchen Situationen sollte man nur Weniges kategorisch ausschließen. Es ist mir wichtig, auch hier die Frage zu stellen: „Wie kann ein nächster GUTER Schritt aussehen. Und weniger: Was ist der richtige Schritt?“

ES IST DEIN JOB, ANDERE IN IHRER ENTWICKLUNG ZU UNTERSTÜTZEN. ABER AUCH DU SELBST ENTWICKELST DICH DABEI IMMER WEITER. WAS WAR DEINE LETZTE LESSON LEARNED?

In mich selbst zu vertrauen: Auch wenn der Wind der Veränderung heftig weht, mir wird wieder etwas einfallen, was mich am Ende weiterbringt! Bezogen auf die Erkenntnisse aus den vielen Gesprächen ist mir eine Sache aufgefallen, die ich sehr schätze, auf die es aber noch keine gute digitale Antwort gibt: Der Zufall. Wir haben noch keine funktionierenden digitalen Tools oder klugeN Lösungen für absichtsfreie Kommunikation.

Jule, vielen Dank für das Gespräch!  

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