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Web3: DezentralisierungSelbstverantwortung Tokenisierung 

Isabell Welpe erforscht das Web3. Die Professorin für Strategie und Organisation von der TU München erklärt im COPETRI-Interview die Faszination, aber auch die Risiken der dritten Generation des Internets. Sie erläutert zudem, wie sich die Entwicklung des Web3 auf den People-Bereich von Unternehmen auswirkt.

ISABELL, ZUM EINSTIEG MÖCHTE ICH MIT DIR EINE ALLTAGSSITUATION, DIE WIR ÜBER DAS INTERNET LÖSEN, INS WEB3 ÜBERTRAGEN. ANGENOMMEN, ICH WILL EINE REISE BUCHEN: WAS IST IM WEB3 ANDERS ALS IM DERZEITIGEN WEB2?

Es gibt zum Beispiel folgende Unterschiede: Zunächst musst du deine Daten und bestimmte Rechte daran nicht an eine Plattform in ein Daten-Silo übermitteln. Im Web3 können Deine Daten Dir selbst gehören und du kannst selektiv und zeitlich begrenzt Dritten Zugriff darauf gewähren. Der zweite Unterschied: Du würdest im Web3 nicht über einen Vermittler buchen, sondern immer direkt. Das heißt, dass nicht wie bisher etwa 10 bis 35 Prozent des Preises an den Vermittler fließen, also zum Beispiel an das Reiseportal.

DAS BEDEUTET ABER AUCH, DASS SEHR VIELE BISHERIGE ONLINE-GESCHÄFTSMODELLE NICHT MEHR FUNKTIONIEREN. WIE KANN MAN IM WEB3 GELD VERDIENEN?

Geld verdienen kann man immer, wenn man einen Service anbietet, für den Menschen bereit sind zu zahlen. Das verändert sich nicht. Die neuen Geschäftsmodelle im Web3 werden an den Schwachstellen des Web2 ansetzen, also bei den Dingen, mit denen viele Menschen unzufrieden sind. Dazu zählen mangelnder Datenschutz, hohe Vermittlungsgebühren und Langsamkeit von Dienstleistungen. Potenziell profitieren im Web3 all die Menschen und Unternehmen, die originelle Wertschöpfung betreiben, etwas herstellen und kreieren. Das sind die Kreativen genauso wie die produzierenden Unternehmen. Beide Gruppen sind in Deutschland stark vertreten.

web3 - Ape

DENNOCH HÖRT MAN IMMER WIEDER VON BETRUG IM WEB3. WIE KOMMT ES DAZU?

Wie schon so oft ist die „Schwachstelle“ oft der Mensch selbst. Zum Beispiel beim Klicken auf sogenannte Phishing-Links. Wer darauf klickt und vielleicht noch eigene Daten eingibt, riskiert, dass seine Daten gestohlen werden.

Diese Links sehen täuschend echt aus, selbst technisch versierte Nutzer können darauf reinfallen. Hier wird der potenzielle Vorteil von Web3, dass es keine „Intermediäre“ gibt, also keine zwischengeschalteten Dienste, zum potenziellen Nachteil. Denn nun gibt es keine Ebene mehr, die eine Datenweitergabe kontrollieren und verhindern könnte.

 

nDU SIEHST ABER AUCH GROSSE CHANCEN. WELCHE BEREICHE WERDEN VOR ALLEM PROFITIEREN?

Web3 hat großes Potenzial in allen Bereichen und Industrien. Im Finanzwesen zum Beispiel wird es nicht mehr vorkommen, dass eine Auslandsüberweisung mehrere Tage braucht und hohe Kosten verursacht. Wenn die Sicherheit gewährleistet ist, bietet die Web3-Technologie auch im Gesundheitswesen große Chancen. Dann verwalten die Nutzer:innen ihre Daten selbst und können entscheiden, welche Gesundheitsdaten sie wie lange mit wem teilen. So könnten sogar medizinische Studien mit sehr vielen Teilnehmer:innen viel unkomplizierter möglich sein.

WEB3 IST EIN TECHNOLOGISCHES THEMA. DU BETRACHTEST ABER AUCH, WELCHE BEDEUTUNG ES FÜR DEN PEOPLE-BEREICH HAT, DER FÜR DIE ZUKUNFTSFÄHIGKEIT VON UNTERNEHMEN EXTREM WICHTIG IST. WELCHE ERKENNTNISSE HAST DU DAZU?

Eine der größten Herausforderungen ist es bereits jetzt, geeignete Mitarbeiter:innen zu finden und zu binden. Das gilt in allen Branchen, aber besonders im Tech- und IT-Bereich. In den USA zeichnet sich bereits der Trend ab, dass Tech-Talente zu Web3-Firmen abwandern. Deshalb müssen sich Unternehmen, und vor allem auch der HR-Bereich, mit Web3 auseinandersetzen, dort präsent sein oder sich zumindest Wissen für künftige Aktivitäten aufbauen.

Tech-Talente bewegen sich zudem oft nicht in den regulären Arbeitsmärkten und üblichen Plattformen für die Talentgewinnung. Der People-Bereich muss also aktiver zu werden und diese jungen Leute gezielt und direkt ansprechen, auch auf neuen Kanälen. Umgekehrt kann Bewerben im Web3 sehr viel einfacher werden. So könnte man seinen eigenen Lebenslauf, Zeugnisse und Fähigkeiten, zum Beispiel nachgewiesen über NFTs und POAPs, einmal auf einer Web3-Plattform eingeben und Unternehmen dann selektiv Zugriff darauf gewähren.

Zu den generellen Stärken von Web3 zählt es, Transaktionskosten zu senken, sichere Verträge ohne Intermediäre zu ermöglichen und Communities einfacher zusammenzuführen, etwa Interessensgruppen oder Fachverbände. So wird sich wohl auch die Zukunft von Ausbildung verändern, indem sich spezielle Web3-Communities bilden. Nach dem Abschluss bleiben die Teilnehmer:innen in der Community und Unternehmen hätten darüber wiederum direkt Zugang zu jungen Talenten. Web3 wird in den nächsten Jahren weiterwachsen und vielen Menschen und Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnen.

Isabell, vielen Dank für das Gespräch!

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