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Innovations-Ökosysteme: Die Ressourcen fehlen

Als Vorstand und Moderator der Plattform für Innovation in Deutschland (PFID) treibt Markus Garn Innovationsthemen voran. Die PFID verbindet im Sinne einer „Open Source Community“ Unternehmen und Bereiche in verschiedenen Formaten, um Innovations-Ökosysteme zu stärken. Im COPETRI-Interview stellt Markus die „Cross“-Idee der Initiative vor. Er erklärt, warum Menschen und Bereiche zueinander finden müssen, die sich bisher nicht getroffen haben. Genau dafür dient das OpenXLab-Event der PFID am 27. September 2022 am Frankfurter Flughafen.

MARKUS, SEIT FÜNF JAHREN GIBT ES DIE PLATTFORM FÜR INNOVATION IN DEUTSCHLAND. WAS WAR DER AUSLÖSER FÜR DIE GRÜNDUNG?

Bereits in den Jahren davor habe ich in einem Verlag Innovationsnetzwerke aufgebaut und betreut. Es wurde immer deutlicher, dass die Anforderungen an Innovationsnetzwerke enorm gestiegen sind. Es geht nicht mehr nur um technische Neuerungen, sondern um komplette Innovations-Ökosysteme, also neben den technischen auch um organisatorische, kulturelle und personelle Fragen. Um Antworten darauf zu finden, brauche ich ein viel größeres und komplexeres Netzwerk und interdisziplinäre Expertise. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir diesen Anforderungen mit einer Plattform am besten genügen können. Zehn Unternehmen haben sich damals zusammengetan, um die PFID zu starten.  Das PFID-Netzwerk umfasst aktuell etwa 50 Partner und rund 1.000 Kontakte in Deutschland und mehr als doppelt so viele in der DACH-Region.

WAS GENAU BIETET IHR DER INNOVATIONS-COMMUNITY?

Wir verfolgen den „Cross“-Ansatz innerhalb von Innovations-Ökosystemen. Das heißt, wir vernetzen völlig verschiedene Unternehmen, Branchen und Bereiche. In unserem Netzwerk sind unter anderem Industriezweige wie Chemie, Pharma, Aviation, Maschinenbau und IT vertreten, aber auch Wissenschaft und Forschung. Die Unternehmensgrößen reichen vom kleinen Start-up über den Mittelstand bis zum Konzern. Die PFID basiert auf der ehrenamtlichen Tätigkeit der Moderatorinnen und Moderatoren. Zum einen organisieren wir Events für Wissensaustausch und Vernetzung, sowohl online als auch in Präsenz. Zum anderen pflegen wir unsere Social-Media-Accounts auf LinkedIn, Xing und Twitter, über die wir auch jederzeit erreichbar sind. Gemeinsam mit Partnern setzen wir zudem auch Benchmarkingtools und Start Collaboration Tools ein.

Innovations-Ökosysteme bringen Neuerungen wie die Solarenergie hervor

WO SIEHST DU AKTUELL DEN GRÖSSTEN BEDARF IN DEUTSCHLAND IN BEZUG AUF INNOVATIONS-ÖKOSYSTEME?

Während der Pandemie haben sich die Innovationsaktivitäten in Deutschland dramatisch verändert. In Teilen des Mittelstands – außerhalb der IT- und Gesundheitsbranche – finden sie kaum noch statt. Denn die Unternehmen sind vollends mit ihrem Kerngeschäft und den Wertschöpfungsketten beschäftigt. Innovationen voranzutreiben mit Blick auf die Zukunft, stellt sie vor massive Ressourcenprobleme.

Wie fatal das ist, wird sich erst in einigen Jahren so richtig zeigen. Dann sind viele deutsche Unternehmen gegebenenfalls nicht mehr wettbewerbsfähig, weil andere innovativer waren. Auf unserem Event OpenXLab am 27. September am Frankfurter Flughafen bieten wir daher einen Workshop zu „Innovation Post Covid“ an.

Die Problematik der Innovations-Ökosysteme trifft sich aber auch sehr stark mit People-Themen wie Recruiting oder Mitarbeiterbindung. Daher gibt es im Open XLab auch einen Workshop zum Thema „War for Purpose“. Das ist ein Beispiel dafür, wie entscheidend es ist, über bisherige Grenzen hinauszudenken. Bei COPETRI heißt das „Bridging Perspectives“, bei uns „Cross Innovation“. Die Idee dahinter ist ähnlich: Um die nötigen Impulse und Fähigkeiten zu erhalten, müssen wir uns aus unseren Komfortzonen herausbegeben und mit Menschen aus ganz anderen Gebieten sprechen und kooperieren.

BIETET IHR NEBEN WISSENSTRANSFER UND VERNETZUNG AUCH UNTERSTÜTZUNG BEI KONKRETEN ENTSCHEIDUNGEN?

Es gibt Formate, in denen wir konkrete Tools und Lösungen vorstellen. Es ist heute nicht so, dass man keine Informationen bekommt, wenn man im Netz zu einem bestimmten Thema sucht. Im Gegenteil: Die Informationsflut ist oft unüberschaubar. Wir haben ausgewiesene Experten für bestimmte Gebiete in unserem Netzwerk, die hier eine Recherche und Einschätzung vornehmen. Die Tools, Ansätze und Lösungen, die sie auswählen, stellen wir dann der Community zur Verfügung. Grundsätzlich ist die Thematik der Innovations-Ökosysteme so komplex, dass wir unsere Aufgabe in einer Vermittlerrolle sehen. Wir ziehen uns daher auch zurück, wenn sich diejenigen gefunden haben, die einander unterstützen können und in Projekte miteinander gehen. Denn wenn der Nutzen erkennbar ist, starten die Unternehmer:innen zusammen durch. Und wir haben wieder Kapazitäten für neue Aktivitäten.

WAS SIND EURE PLÄNE FÜR DIE NÄHERE ZUKUNFT?

In den vergangenen fünf Jahren haben wir die Erfahrung gesammelt, dass wir am besten als schlanke und agile Plattform funktionieren. Insofern glaube ich, dass wir aktuell unsere grundsätzliche Aufstellung gefunden haben. Inhaltlich wollen wir die wissenschaftliche Sicht auf Innovation noch stärker mit der Corporate-Perspektive verbinden und die Zusammenarbeit dort verstärken. Ich halte es nicht mehr für sinnvoll, allzu langfristig in festen Strukturen zu planen. Der Wandel im Bereich des Innovation Eco System ist schnell, fundamental und allgegenwärtig. Es ist uns daher wichtig, die Entwicklungen genau zu beobachten und schnell auf neue Bedarfe der Innovations-Community zu reagieren.

Markus, vielen Dank für das Gespräch!

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